Meine Themen: Anforderungen, Anwendungslandschaften und Architekturen.

Wie selbstverständlich setzen wir grafische Modelle ein, um zu beschreiben, was ein Softwaresystem für seine Benutzer leisten soll. Doch warum eigentlich?

Ich modelliere für unsere Kunden, wie sich Unternehmenssoftware in eine Anwendungslandschaft integriert und wie sie Geschäftsprozesse unterstützt. Dabei habe ich festgestellt, dass Modellierung häufig missverstanden wird. In diesem und vorherigen Beiträgen (hier zu Teil 1 und Teil 2) habe ich einige Missverständnisse für Sie gesammelt.

Einmal modelliert, vielfach genutzt?

Ein gutes Modell zu erstellen, ist aufwändig. Daher liegt der Wunsch nahe, Modelle wiederzuverwenden. Zum Beispiel ein Geschäftsprozessmodell, das bisher genutzt wurde, um neue Mitarbeiter einzuarbeiten. Kann ein Softwareentwickler das Modell nutzen, um den Geschäftsprozess zu automatisieren? In der Praxis würde das Modell wohl ausreichen, um dem Entwickler zu erklären, was er automatisieren soll – aber nicht, wie der Prozess automatisiert werden soll.

Jedes Modell hat seinen spezifischen Zweck. Dieser bestimmt, welche Abstraktionen bei der Modellierung vorgenommen werden. Für andere Zwecke sind diese Abstraktionen vielleicht nicht sinnvoll und das schränkt die Wiederverwendbarkeit von Modellen stark ein. Zum Beispiel abstrahieren Modelle, die etwas erklären sollen, notwendigerweise Details. Umgekehrt sind detaillierte Modelle meist schwierig zu verstehen.

Für die Modellierung braucht man ein Werkzeug?

Modellierungswerkzeuge sind praktisch und können viel Aufwand sparen. Wenn eine Notation in ein Unternehmen eingeführt wird, ertönt schnell der Ruf nach einem Werkzeug. Oft steht die Auswahl des Werkzeugs sogar vor der Wahl der Notation und die Einführung des Werkzeugs wird fälschlicherweise mit der Einführung eines Modellierungsvorgehens verwechselt.

Bevor man ein Werkzeug auswählt, braucht man eine Vorstellung, was man damit vorhat: Was soll wozu modelliert werden? Welche Notation und welches Vorgehen setzt man ein? Wer modelliert? Wie werden die Modelle qualitätsgesichert? Das alles muss geklärt werden, damit ein geeignetes Werkzeug ausgewählt werden kann.

Es ist egal, welches Werkzeug ich verwende?

Manche Menschen (leider oft die Entscheider) glauben, es wäre egal, womit man modelliert. Der Markt an Werkzeugen ist groß, da gibt es nicht viele Unterschiede. Keine Zeit verlieren, schnell etwas auswählen und bitte günstig! Schon hat man ein vorzeigbares Ergebnis abgeliefert.

Doch im Unternehmenseinsatz werden Anforderungen sichtbar, die weit über bloßes Modellieren hinausgehen: Versionsverwaltung, gemeinsame Arbeit an Modellen, Verknüpfungen zwischen Modellen unterschiedlicher Notationen und vieles mehr. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Ein schlechtes Werkzeug kann massiv behindern!

Fazit

Damit findet diese kleine Serie ihr (vorläufiges?) Ende. Wenn Sie aufgrund Ihres Anwendungsbereichs mit formalen Modellen, Simulation oder Model Checking arbeiten, kämpfen Sie wahrscheinlich mit anderen Modellierungsproblemen als ich. Wenn Sie jedoch Geschäftsprozesse und Anwendungslandschaften verstehen, über sie kommunizieren und sie verbessern müssen, haben Sie vielleicht das ein oder andere Missverständnis schon selbst erlebt. Ich würde mich freuen, wenn meine Beiträge Ihnen ein klein wenig dabei helfen, Missverständnisse in Zukunft zu vermeiden.

PS: Wenn Sie einen Eindruck davon bekommen wollen, wie wir pragmatisch Geschäftsprozesse modellieren, lesen Sie meinen Artikel Beispielhaft gut modelliert.