KI & Digitalisierung
Mein Second Brain – wie ich mit KI-Agenten den Überblick behalte
Immer mehr Aufgaben im Arbeitsalltag laufen inzwischen gemeinsam mit KI-Agenten ab. Je mehr davon parallel laufen, desto mehr Informationen, Entscheidungen und offene Fäden muss man selbst im Kopf behalten.
Genau das hat mich an einen Punkt gebracht, an dem mein eigenes Gedächtnis zum eigentlichen Engpass wurde. Deshalb habe ich mir ein persönliches "Second Brain" aufgebaut, ein digitales Wissenssystem außerhalb meines Kopfes.
Wenn der Kopf zum Flaschenhals wird
Seit ich im Arbeitsalltag immer mehr mit KI-Agenten arbeite, laufen bei mir auch immer mehr Prozesse und Aufgaben parallel. Ich musste immer mehr gleichzeitig im Kopf behalten, und ehrlich gesagt sind da nicht mehr alle Informationen geblieben.
Manchmal hat es sich angefühlt, als würde mein Kopf mit all den Informationen gleich überlaufen. Dazu kam, dass ich der KI jedes Mal wieder von vorn erklären musste, woran ich gerade arbeite und was schon entschieden war, weil sie sich zwischen zwei Gesprächen an nichts erinnert.
Die Idee eines „Second Brain“
Entdeckt habe ich die Lösung eher zufällig beim Scrollen durch Social Media. Dort hat jemand sein eigenes Second Brain gezeigt, ein System, das Wissen, Ideen und Zusammenhänge dauerhaft festhält und strukturiert, statt es nur lose im Kopf oder verstreut in Notizen zu behalten.
Die Idee hat mich sofort gepackt. Also habe ich Claude, den KI-Agenten, mit dem ich arbeite, recherchieren lassen, was genau dahinter steckt und ob ein solches System mein Problem lösen kann. Dabei bin ich unter anderem auf Andrej Karpathy gestoßen, eine der bekanntesten Stimmen zu KI-Agenten.
Er beschreibt ein ähnliches Konzept als "LLM Wiki" (LLM steht für Sprachmodell, die Technik hinter Claude und ähnlichen KI-Agenten): ein Sprachmodell pflegt selbst ein Wiki mit Wissen und hält es aktuell, statt bei jeder Anfrage wieder alles neu aus den Rohdaten zusammenzusuchen.
Seine Erfahrungen zeigten mir, dass ein gut aufgebautes persönliches Wissenssystem gerade in der Zusammenarbeit mit Sprachmodellen wirklich etwas bringen kann.
Mehr als ein Notizbuch
Statt einfach drauflos Notizen anzulegen, wollte ich ein System, das wirklich zu meiner Arbeitsweise passt. Dafür habe ich mit Claude das sogenannte Flipped Interaction Pattern genutzt: Claude hat mich dabei interviewt, ich musste die Anforderungen nicht selbst formulieren.
Die Fragen drehten sich darum, was ich täglich genau brauche, wie mein Arbeitsalltag abläuft, wo es bisher gehakt hat und wie ich am liebsten arbeiten möchte. Aus diesen Antworten hat sich Schritt für Schritt die Struktur meines eigenen Second Brain ergeben.
Die Grundlage dafür ist ein Obsidian-Vault, im Kern also nur einfache Textdateien im Markdown-Format. Bewusst simpel gehalten, damit das System nicht von einem einzelnen Programm abhängt und auch in einigen Jahren noch lesbar ist.
Erst die Routinen machen den Unterschied
Die eigentliche Stärke steckt in den Routinen, die ich mir drumherum gebaut habe. Die Dateien allein bringen wenig. Für wiederkehrende Aufgaben habe ich mir mehrere sogenannte Skills eingerichtet, feste Abläufe, die Claude auf Zuruf abarbeitet.
Dazu kommt ein Hook, eine automatische Einstiegsregel, die bei jeder neuen Sitzung meinen Wissensspeicher automatisch verfügbar macht. Ich muss den Kontext also nicht mehr jedes Mal von neuem erklären, Claude hat ihn direkt zur Hand, und ich kann direkt in die eigentliche Aufgabe einsteigen.